Adventsbrief 2015

Liebe Freunde und Förderer von al hayat e.V.,

auch dieses Jahr sende ich im Namen von al hayat e.V. die besten vorweihnachtlichen Grüße. In dieser turbulenten Zeit ist es uns wichtig, einen Moment innezuhalten und für das zu danken, was wir im zurückliegenden Jahr gemeinsam erleben und durch Ihre und Eure Unterstützung haben mit gestalten können.
Gerade habe ich mit Charbel Sfeir, dem Leiter der Behinderteneinrichtung Baytouna al Jadid gesprochen, um mir ein Bild von der aktuellen Lage vor Ort zu machen. Denn dass die Einrichtung von den derzeit herrschenden Bedingungen betroffen ist, scheint offensichtlich. Neben der anhaltenden Syrienkrise, die die umliegenden Länder und insbesondere den Libanon, der viele Flüchtlinge ohne dafür vorhandene Strukturen beherbergt, belastet, gibt es enorme politische und ökonomische Probleme im Land. Gerade erst vor ein paar Wochen hat es einen massiven Anschlag in Beirut gegeben, der 40 Menschen das Leben gekostet und viele Menschen verletzt zurückgelassen hat. Alltag im nahen Osten, so meinen wir, aber die Ereignisse erschüttern das kleine Land immer wieder von Neuem. Aber was hat das mit Baytouna al Jadid zu tun? Im letzten Adventsbrief konnte ich noch jubeln, dass die Einrichtung erstmalig staatliche Gelder bekommen hat; Gelder, die ihr schon seit Jahren zustehen. Nun sind eben diese Zahlungen in den vergangenen 11 Monaten wieder eingestellt worden. In einem Land, in dem es keine funktionierende Regierung und keinen regierenden Präsidenten gibt und das gerade im Müll versinkt, da die drohenden Probleme zu lange ignoriert wurden, stehen kleine, soziale Einrichtungen wie Baytouna al Jadid nicht gerade ganz oben auf der Prioritätenliste. Und trotzdem geht es weiter! Charbel erzählte mir, dass es „ein großes Jahr“ war für die Einrichtung. Und nicht, weil es schwerwiegende Veränderungen gegeben hat. Nein, die Anzahl der beherbergten Personen (12 im Internat und 4 Externe) hat sich kaum verändert.
Und auch das Team von 5 Personen ist stabil. Aber Baytouna al Jadid ist zu einem Ort des „Accueil“, des Willkommenheißens und des Zusammenhalts geworden. Und das lässt sich auch durch äußere Widrigkeiten nicht zerstören. Vor zwei Wochen ist beispielsweise Dani, ein 20jähriger junger Mann aufgenommen worden, der aus sehr konfliktbehafteten Familienverhältnissen zur Einrichtung kam. Es ist selbst für Charbel, nach all den Jahren noch erstaunlich, wie schnell er aufgenommen und in die Gruppe integriert wurde. Aber der enge Zusammenhalt der behinderten Menschen vor Ort wird auch unterstützt von dem, was die Einrichtung an Interesse und Anerkennung aus der Umgebung erhält. So kommt beispielsweise eine Nonne, die dem Franziskanerorden angehört, für ein ganzes Jahr zu Baytouna al Jadid und hilft im Alltag mit. Im letzten Jahr kamen außerdem 6 junge behinderte Menschen für einen Zeitraum von 3-4 Wochen „zu Besuch“, um das Leben in der Gemeinschaft auszuprobieren. Für die „alten Hasen“ von Baytouna al Jadid eine Gelegenheit zu zeigen, wie sich ein solches gemeinsames Leben anfühlen kann.
Aber diese Arbeit braucht Zeit, Engagement und … Geld. Sechs der beherbergten Personen müssen beispielsweise täglich gewickelt und gebadet werden. Die Mutter, die mit ihren anfangs vier und nunmehr 3 erwachsenen Kindern seit Jahren bei Baytouna al Jadid lebt, ist inzwischen selbst halbseitig gelähmt und somit zum Pflegefall geworden. Und da die eingeplanten Gelder nicht so fließen wie sie sollten, ist weiterhin Improvisieren angesagt. Die Einrichtung lebt von Essens- und Sachspenden und ist auf Unterstützung von außen angewiesen.
Und somit ist auch unsere Hilfe nach wie vor gefragt. Wir haben im vergangenen Jahr rund 6.000 Euro überweisen können; eine kleine Summe wie es scheint, wenn man sich überlegt, dass der Staat der Einrichtung noch rund 40.000 Euro „schuldet“. Aber unser Beitrag ist konstant und gerade in schwierigen Phasen wie der aktuellen eine sehr wichtige Unterstützung. Und neben der finanziellen Hilfe ist auch die moralische Begleitung durch unseren Verein al hayat e.V. und unseren französischen Schwesternverein „La Litani“ von großer Bedeutung für die Menschen vor Ort.

Daher bedanke ich mich hiermit noch einmal bei allen, die uns ihr Vertrauen schenken und auch weiterhin an die Wichtigkeit und den Sinn dieser Arbeit glauben. Wir freuen uns immer über persönliche Begegnungen mit Vereinsmitgliedern oder Interessierten und laden daher herzlich zu ebensolchen ein wie z.B. zur Vereinssitzung im kommenden Jahr.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit.
Herzliche Grüße,
Heide Rieder (Schriftführerin)

Al Hayat e.V. Sparkasse Worms-Alzey-Ried Konto: 7007900 BLZ:55350010