Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Förderer von al hayat e.V.,
wie jedes Jahr im Advent möchte ich die Gelegenheit nutzen, Ihnen für Ihr Engagement und Ihr Interesse an der Arbeit von al hayat e.V. zu danken.
Auch im vergangenen Jahr war es uns ein Anliegen die Sorgen und Nöte, aber auch die Freuden und positiven Entwicklungen der Behinderteneinrichtung Baytouna al Jadid im Libanon in diesen schwierigen Zeiten zu begleiten.
Vor ein paar Tagen sprach ich mit Charbel Sfeir, dem Leiter der Einrichtung und unser Gespräch drehte sich vor allen Dingen um die dramatische Lage der syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge im Libanon.
In den Zeitungen kann man dieser Tage lesen, dass Schätzungen zu Folge inzwischen etwa 1,1 Millionen syrische Flüchtlinge in dem kleinen Nachbarland Zuflucht gesucht haben. „Proportional gesehen wäre das so, als würde Deutschland etwa 18 Millionen Flüchtlinge aufnehmen“, so der UNHCR Chef António Guterres.
Die Flüchtlingssituation ist nicht wie sonst von Auffanglagern geprägt und so sind die Menschen über das ganze Land verteilt. Sie kommen in Garagen, in provisorischen Zeltlagern oder nicht fertig gebauten Häusern unter und wer das Glück hat, Verwandte im Libanon zu haben, findet sich häufig zu 20. in engem Wohnraum wieder. Es fehlt an Decken, Kleidung, Nahrung, Heizöl und der 3. Kriegswinter, der in dieser Region bitterkalt werden kann, naht.
Der Einfluss der Flüchtlingsströme auf die Wirtschafts- und Sicherheitssituation des Libanons ist massiv. Als Beispiel sei die Arbeitslosigkeit der 15-25jährigen Libanesen genannt, die momentan bereits bei 30% liegt und sich durch die hinzukommenden Flüchtlinge, die auf tageweise Jobs angewiesen sind, noch weiter verschärft. Und kein Ende ist in Sicht.
Es fehlt an Geldern und die Mühlen der internationalen Hilfe mahlen, gerade in Zeiten immer neuer (Natur)katastrophen, nur langsam, so dass große Summen an Hilfsgeldern u.a. direkt vom libanesischen Staat kommen müssen.
In der Konsequenz betreffen diese Entwicklungen ganz konkret den Fortbestand von Baytouna al Jadid. An anderer Stelle hab ich bereits berichtet, dass die Einrichtung seit Jahren staatlich anerkannt ist, seit 2012 erste Gelder zugesagt wurden und im April 2013 erneut die Bestätigung kam, dass jährlich 40.000 Euro Fördergelder fließen sollen. Bisher, so berichtet mir Charbel, ist davon jedoch kein Cent bei der Einrichtung gelandet.
Der finanzielle Beitrag von al hayat e.V. zur Unterstützung von Baytouna al Jadid liegt, ähnlich wie die Spenden des französischen Schwesternvereins „La Litani“, bei 10% des Budgets. Unser Beitrag ist dabei in den letzten Jahren nicht unbedingt weniger geworden, aber Baytouna al Jadid ist gewachsen und benötigt für inzwischen 23 behinderte Menschen und entsprechendes Personal größere Summen Geld.
Ich frage Charbel immer wieder ungläubig „Wie macht Ihr das? Wie finanziert sich die Einrichtung momentan?“ „Wir sind auf die Unterstützung durch Spenden angewiesen“, so Charbel. Mehrere Restaurants aus der Umgebung würden dreimal die Woche Nahrungsmittel spenden, was die Versorgung der Einrichtung gewährleistet. Auch Sachspenden gehen immer wieder ein. Wie bereits die letzten 3 Jahre hat Baytouna al Jadid auch dieses Jahr eine Großspende an Weihnachtsdekoration im Wert von 8.000 Euro erhalten. Die Aufgabe der Behinderten ist es dann, die Artikel zu sortieren, die dann in den kommenden Wochen in der Umgebung verkauft werden. Es gibt inzwischen ein regelrechtes Netzwerk um Baytouna al Jadid herum und auch wenn Charbel Sfeir die Einrichtung weiterhin über das Radio oder Fernsehen bekannt macht, so lebt sie doch bereits von denen zahlreichen Kontakten, die über die Jahre entstanden sind.
Aber nicht nur die finanzielle Situation beschäftigt die Bewohner und vor allen die Verantwortlichen der Einrichtung. Zuletzt waren einige der Behinderten stark von Erkrankungen geplagt. Dolly, eine der Bewohnerinnen, ist mehrfach behindert und leidet unter anhaltenden epileptischen Anfällen. In solchen Momenten kann sie sich nicht verständigen und muss außerhalb der Einrichtung von den Eltern versorgt werden. Maya, von der ich schön des Öfteren im Adventsbrief berichtet habe, war im Frühjahr diesen Jahres schwer krank und die Einrichtung sorgte sich um ihr Leben. Durch jahrelange Medikation sei ihr Dünndarm derart geschädigt, dass große Teile entfernt werden mussten und sie heute nur noch mit einer strengen Diät leben darf. Inzwischen ist sie wieder zurück in der Einrichtung und es geht ihr so weit gut.
Freude und Leid liegen im Alltag von Baytouna al Jadid nah beieinander. Trotz all der widrigen Umstände, die die Einrichtung von Beginn an begleitet haben, höre ich keinen Zweifel daran, dass es weitergehen muss. Gemeinschaft zu erleben ist ein wichtiger Aspekt des Zusammenlebens von Baytouna al Jadid geworden, die jeden Einzelnen trägt und in seiner Entwicklung fördert. „Ca se passe bien“ – es läuft gut, so Charbel. Und dazu trägt auch unser Beitrag, die Arbeit von al hayat e.V. bei, denn nicht nur für Charbel Sfeir, sondern auch für die weiteren 5 Mitarbeiter und alle Bewohner ist es wichtig, um diese Unterstützung und unser Interesse zu wissen.
Daher bedanke ich mich noch einmal von Herzen bei allen, die uns und unsere Arbeit bisher unterstützt haben und dies auch weiterhin tun. Informationen über die Vereinsarbeit finden Sie auf unserer Seite www.alhayat.de.
Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit,
Heide Rieder (Schriftführerin)
