Liebe Freunde und Förderer von al hayat e.V.,
wieder ist ein Jahr vergangen und mit der Zeit des Advents, naht auch der Moment, an dem wir innehalten und uns bei all denen bedanken wollen, die unseren Verein im vergangenen Jahr moralisch und finanziell unterstützt haben. Ohne das gemeinsame Bemühen um die Behinderteneinrichtung Baytouna al Jadid – im Libanon, in Frankreich und hier in Deutschland – wäre sie heute nicht das, was sie ist!
Denn sie wächst immer weiter: aktuell werden dort so viele behinderte Menschen wie noch nie zuvor beschäftigt oder beherbergt. Inzwischen kommen neun Personen im Wohnheim der Einrichtung unter und werden von zwei bis drei Mitarbeitern rund um die Uhr betreut und begleitet. Sieben weitere Behinderte kommen als so genannte Externe täglich in die Werkstatt und arbeiten mit einer weiteren Mitarbeiterin an den üblichen Aktivitäten wie z.B. dem Herstellen von Gipsfiguren.
Im vergangenen Jahr haben die Bilder unterschiedlichster Krisenherde der Welt und gerade die politischen Umbrüche in den arabischen Ländern manch einen von uns stark bewegt, scheint doch das Schicksal der Menschen vor Ort gar nicht so fremd und entfernt. Baytouna al Jadid, obwohl aktuell nicht selbst von den Unruhen betroffen, wird immer wieder auch zum Zufluchtsort für Menschen, die aufgrund von politischen und sozialen Zwängen in Not geraten sind.
Da ist zum Beispiel Elizabeth: die 55jährige Syrerin ist Autistin und kam kürzlich in die Einrichtung, als das Zentrum, in dem sie vorher in Syrien untergebracht war, wegen der aktuellen Umstände schließen musste. Sie lebt jetzt mit all den anderen in Daraya und hat nur selten Kontakt zu ihrer eigenen Familie.
Und dann ist da Magdala, eine 40jährige Frau mit einer leichten Behinderung, die die letzten fünf Jahre auf der Straße gelebt hat und von einer Sozialarbeiterin gebracht wurde. Sie wiederum leidet vor allen Dingen unter der Zurückweisung ihrer Familie. Inzwischen lebt sie seit sechs Monaten in der Einrichtung. Es geht ihr viel besser und wenn Besucher sie fragen, ob sie zurück auf die Straße möchte, dann erwidert sie „nein, ich habe ja ein Zuhause gefunden“.
Oder aber Maya, von der ich vor zwei Jahren bereits einmal an dieser Stelle berichtet habe. Sie hat „noch lange von sich reden machen“, wie mir Charbel Sfeir, der Begründer der Einrichtung, erzählte. Es fiel ihr zunächst schwer, sich zu integrieren und sie hat andere ihre inneren Spannungen deutlich spüren lassen. Inzwischen lebt sie im Wohnheim und sieht ihre Eltern, mit denen es früher oft zu Konflikten gekommen war, regelmäßig am Wochenende.
Auf diese Art übernimmt Baytouna al Jadid als Gemeinschaft manchmal auch die Rolle der Familie oder macht es dem Einzelnen nach Krisen möglich, sich langsam der eigenen Familie wieder anzunähern.
Das Projekt schöpft dabei auch immer wieder Kraft aus den Begegnungen mit Besuchern und Interessierten: im vergangenen Jahr hat beispielsweise unser französischer Schwesternverein Litani die Einrichtung besucht. Und dann war da Charlotte, eine junge Französin, die sich, einmal in Berührung gekommen mit der Arbeit von Baytouna al Jadid, spontan dazu entschieden hat, für 3 Monate mit den Behinderten in der Einrichtung zu leben und zu arbeiten. Das Zusammenleben vor Ort, hat ihr an einem Wendepunkt ihres Lebens geholfen, Kraft zu schöpfen und dabei ihren eigenen Glauben zu entdecken.
All dies wäre ohne die Hilfe von außen nicht möglich! Auch wenn inzwischen Hoffnung besteht, dass der libanesische Staat im kommenden Jahr erstmalig finanzielle Unterstützung leisten wird, sind die Gelder nach wie vor nicht ausreichend, um die laufenden Kosten zu decken. Die Einrichtung braucht daher weiterhin unsere Hilfe! Engagement kann dabei ganz unterschiedlich aussehen: von der finanziellen Unterstützung der Arbeit von al hayat e.V. – durch Spenden oder Mitgliedschaft – über die Beteiligung an Aktionen des Vereins, bis hin zur Mitarbeit in der Einrichtung vor Ort. Es gibt viele Möglichkeiten!
In diesem Sinne bedanke ich mich noch einmal ganz herzlich für Eure und Ihre Unterstützung und wünsche allen eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit.
Heide Rieder (Schriftführerin des Vereins)
